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Chronologie des Raesfelder Karnevals

von Heinz Bröker

 

Schon vor mehr als 150 Jahren wurde in Raesfeld Karneval gefeiert.

 

Bericht von Adalbert Friedrich, in der Festschrift: 100 Jahre Allgemeiner St. Johannis Bürgerschützenverein Raesfeld.  1867 – 1967

 

Pastor Pentrup, der am 12. Dezember 1815 in Lüdinghausen geboren wurde, war nach seiner Priesterweihe 22 Jahre als Kaplan in Ahaus tätig und wurde nach dieser Zeit, im Jahr 1864, Pfarrer von Raesfeld.

Zu den seelsorgerischen Aufgaben, die sich der neue Pfarrer stellte, gehörte sicherlich auch, den Auswüchsen der jährlich stattfindenden Fastnachtfeiern, dem überaus großen Verzehr an alkoholischen Getränken, zu begegnen. Die Fastnachtsfeiern im Dorf, in der Schlossfreiheit, auf dem Brink und in den anderen Hööken, waren die jährlichen Nachbarschaftsfeste. An diesen drei „dullen Dagen“ ging es hoch her, und zum Scherzen und zum Spaßen waren selbst die Alten aufgelegt. Am Fastnachtsmontag zogen lärmende Scharen von Haus zu Haus, um die beste Mettwurst, wenn es notwendig war, mit Hilfe der Stall-Laterne, hinter dem „Boosenkleid“ aus der „Fieme“ zu holen. Ausgelassen schleppten die Gecken den prallen Wurstsack, um ihn dann bei einem Nachbar zu entleeren. Dort begann dann das große Wurstessen.

Zu den beiden Nachbarschaften des Dorfes gehörten die Häuser, die rund um die Kirche lagen, eine Nachbarschaftsgrenze verlief zwischen den Häusern Hoffman und Höing-Gülkas, (heute Küchenstudio Hetkamp) die vier Häuser auf der „Insel“ und die Truvenne. An der Spitze einer Nachbarschaft stand der Bürgermeister. Er war der „Baas“, der streng darauf achtete, dass im Ablauf des Jahres all die verpflichtenden Nachbarrechte und Nachbarpflichten, für die verschiedensten Lebensbereiche, in seiner Nachbarschaft gehalten wurden. Die Regierungszeit dauerte ein Jahr, und jeweils an den Fastnachtstagen wurden sie aus der Bürgerversammlung der Nachbarschaft gewählt. Nach der Wahl erhielten sie zum Zeichen ihrer Würde eine Pfeife und ein Päckchen Tabak. Die Bürger waren in der Nachbarschaft zum Fastnachtsfest verpflichtet, die festgelegten „Fastnachtsgerechtigkeiten“ (Geldbetrag) zu zahlen. Mit diesen Silbergroschen wurde dann gemeinsam an den Fastnachtstagen das Bier und der Branntwein bezahlt. Der Rest, der in den Nachbarschaftskassen verblieb, wurde von den Nachbarfrauen in einer gemütlichen Kaffeerunde verzehrt.

Die wirtschaftliche Not in der damaligen Zeit stand in keinem Verhältnis zum Alkoholverbrauch. Die so genannte „Schnappspredigt“ bei der Mission im November 1866, die von stimmgewaltigen Patres vom Predigtstuhl auf ihre Zuhörer flammte, änderte nicht viel an dieser allgemeinen Situation. Oft wurde in den verschiedenen Gemeinden, so auch in Raesfeld, an eine Mission das vierzigstündige Gebet eingeführt.

Am Gründonnerstag, im Jahre 1885, wurden 123 Jünglinge in die zuvor gegründete Jünglings-Sodalität aufgenommen. Der Präses dieser Gemeinschaft wurde Pastor Pentrup, der hoffte, dass mit dieser grundsatzfesten Gemeinschaft, der Alkoholmissbrauch vermieden würde. Trotz aller Betonung des religiösen Lebens wurde innerhalb der Sodalität die Pflege der Geselligkeit in keiner Weise vergessen. Die Bestrebungen des Pfarrers Pentrup gingen dahin, die Fastnachtsfeier im Dorf durch die Feier eines Sommerschützenfestes zu ersetzen. Wie weit die Bürger des Dorfes seine Gedanken aufnahmen, seine Wünsche bejahten und für die Durchführung derselben eintraten, kann heute nicht mehr gesagt werden.

Die Freiheiter Nachbarschaft feierte am 27 Februar 1867 zum letzten Mal an den Fastnachtstagen. Der Karneval war ab dem Jahr Vergangenheit. An den Tagen vor Aschermittwoch fand jetzt das vierzigstündige Gebet statt. Am Montag, dem 22. Juli 1867. ruhte auf den Feldern und in den Handwerksstuben der Ackerbürger und Handwerker die Arbeit. Es war der Tag des ersten Schützenfestes.


Raesfelder Rosenmontagszug e. V.  |  info@r-r-z.de