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Chronologie des Raesfelder Karnevals

von Heinz Bröker

 

In den fünfziger Jahren kehrt der Karneval nach Raesfeld zurück.

 

Wenn vor mehr als 60 Jahren, in den Hochburgen des Karnevals, sich die närrischen Umzüge durch die Straßen schlängelten, lud der Dorfpfarrer zum 40-stündigen Gebet ein. Seine „treuen Schäfchen“ kamen, öfter als sonst üblich, zu den Gottesdiensten, Betstunden und Schlussandacht.

Doch zu der Zeit gab es schon Zeitgenossen die Gebet und Frohsinn an den närrischen Tagen verbanden – Frauen mit Humor. Rosenmontag, 16. Februar 1953,  Kriegerwitwe Käthe Heyng, eine rheinische Fronatur, gebürtig aus Köln, wohnte als Untermieterin im Haus von Hermann und Paula Höing in der Brökerstegge. Sie hatte die Nachbarfrauen zum Kaffeekränzchen geladen. Selbst gemachter Likör und einfacher Wermutwein machte die Runde. Bunte Papierservietten wurden ins Haar gebunden und es wurde gesungen und geschunkelt. Die Stegge hielt man jedoch voll im Blick, immer wenn sie Kirchgänger sahen, verstummte der Gesang und wenn die Luft wieder rein war, wurde kräftig weiter gefeiert. Dieses närrische Kaffeekränzchen wurde noch zweimal von den Nachbarfrauen gefeiert. Im Jahr 1956 kamen dann die Männer dazu und die Rosenmontagsfete fand, nach einigen Häuserwechsel, bei Wilhelm und Wilhelmine Terweide statt. Die untere Etage, in ihrem Häuschen wurde fast komplett ausgeräumt und das Schlafzimmer zum Tanzsaal umfunktioniert. Das erste Prinzenpaar in der Brökerstegge wurde mit Alois Elsner, dem früheren Dorfpolizisten, und Lene Gesing im Jahre 1963 gekürt, in einer Zeit als es noch keinen Sitzungskarneval und auch noch keinen Rosenmontagszug gab. Bis Anfang der 70er Jahre feierte man im Haus Terweide, danach in der Gaststätte Rudolf Nießing. Als 1973 der erste Rosenmontagszug startete, war die Brökerstegge sofort dabei und hat bis heute, ohne Unterbrechung, mit einem Motivwagen teilgenommen.

Im Februar 1954 startet der Männergesangverein Sängerlust Raesfeld sein erstes Kappenfest. Bis Karneval 1969 ist es das Fest des Jahres für die Raesfelder Narren. Die Kolpingfamilie feiert im Februar 1955 einen „Künstlerball“ im Kolpinghaus, kostümiert mit Liedvorträgen und Büttenreden. In den folgenden Jahren wird dort von den Kolpingsöhnen Karneval gefeiert. Am 5. Februar 1956 waren die Ortsvertriebenen bei Tiegler zu einem Kappenfest versammelt. Am gleichen Tag fand im Kolpinghaus die erste Damensitzung durch die Jungfrauenkongregation statt. Die Borkener Zeitung berichtet: „Sie fühlten sich auch ohne Männer in karnevalistischer Stimmung“. Der Reiterverein des Kreises Borken startet den ersten närrischen Reiterball, im Februar 1959, im Schloss Raesfeld. Diese Veranstaltung findet jährlich bis Anfang der 80er Jahre statt. Gaststätte Böcker, Op de Breede, kündigt am 10. Februar 1961 mit einer Zeitungsanzeige „Karneval in Raesfeld“ an. Im Februar 1964 starten der Schießsportverein, der Kaninzuchtverein und die KLJB in den Karneval. Auch in den folge Jahren feiern sie Fastelovend. Die Frauenjugend, der Kirchenchor und das DRK, finden ab Februar 1965, gefallen an den Karneval. Der TSV Raesfeld feiert im Februar 1966 sein erstes karnevalistisches Vereinsfest im Vereinslokal Niewerth. Ab der Karnevalsession 1967 feiert die Kriegerkameradschaft und ab Februar 1968 die KAB ein Kappenfest.

 

Am Sonntag,  8. Februar 1969, startete die erste große öffentliche Narrensitzung im Saal Tiegler. Initiator dieser Veranstaltung war Lehrer Gerd Fischer. Seiner Zeit Präsident der KaKaJu Dingden. Die Borkener Zeitung schreibt: „Er machte seine Sache als Sitzungspräsident großartig, die Fäden des närrischen Geschehens hatte er  voll in der Hand“. Neben den Aktiven Karnevalisten aus Dingden, feierten zwei Raesfelder ihre Premiere in der Bütt. Reinhard Terbeck als „Nikodemus Nase“ und Gregor Löchteken parodierte als „Hahn vom Raesfelder Kirchturm“. Pastor Drees, Kaplan Golder und Amtsdirektor Höyng stiegen ebenfalls in die Bütt. Mit diesem Abend begann eine neue Ära im Raesfelder Karneval.

Ein Jahr später, am Samstag. 27. Februar 1970, wieder unter der Leitung von Gerd Fischer, fand die erste große karnevalistische Gemeinschaftssitzung im Saal Tiegler statt. Die beiden Vereine, Männergesangverein und der Sportverein TSV, hatten karnevalistisch fusioniert. Neben den Aktiven der KaKaJu Dingden wurde das Programm schon zur Hälfte von Raesfelder Karnevalisten gestaltet. Das erste Raesfelder Prinzenpaar, Prinz Franz I (Nießing) und Prinzessin Hilde I (Ostendorf) gaben an dem Abend ein glänzendes Debüt und für eine großartige Stimmung sorgte die Raesfelder Musiker „the blue lights“.

Karneval 1971. Die Borkener Zeitung berichtet:

„Närrischer Höhepunkt erreicht – mit Beifall und vielen Raesfelder Akteuren.

Mit der karnevalistischen Gemeinschaftsveranstaltung des Turn- und Sportvereins sowie des Männergesangvereins hat der Raesfelder Karneval seinen närrischen Höhepunkt erreicht. Rappelvoll war der eigens für diese Veranstaltung festlich hergerichtete Grundmannsche Saal am Samstagabend. (13. 02.1971) Zum ersten Male hat der „SGV“, unter Federführung von Sitzungspräsident Jupp Hüning, ein eigenes Programm auf die Beine gestellt. Er hat mit dieser närrischen Veranstaltung neue Maßstäbe für den Raesfelder Karneval gesetzt“.

Mit dieser Veranstaltung war der SGV gegründet, der heute ein eigenständiger Karnevalsverein ist und unter RCV, den Sitzungskarneval weiter führt.

 

hbr.12/16


Raesfelder Rosenmontagszug e. V.  |  info@r-r-z.de